Meridian-Übungen


Mit diesen Übungen können Sie sich selber was Gutes tun. Diese Übungen gehen weit über den Effekt von blossen Dehnübungen hinaus. Es werden nicht nur die Muskeln in die Länge gezogen, vielmehr ist es ein Vorgang des Weitens, der die latente Energie in Ihnen freisetzt.

 

Um bei diesen Übungen erfolgreich zu sein, muss man langsam und sanft vorgehen. Die Übungen sind nicht anstrengend. Wird versucht mit Krafteinsatz eine Haltung zu erzwingen, ist dies kontraproduktiv. Der Körper besitzt eine natürliche Geschmeidigkeit, die sich nach und nach von alleine wieder einstellt, wenn man ihm nur regelmässig Zeit dazu gibt. Zu Beginn können wohl nicht alle Stellungen perfekt eingenommen werden. Man nimmt einfach entspannt die aktuell mögliche Haltung ein, lässt danach die bewusste Kontrolle los und beobachtet nur noch, was im Körper vor sich geht. Machen Sie sich keine Gedanken um perfekte Haltung. Wiederholen Sie einfach nur Atem- und Dehnungsfolge mehrere Male nacheinander (zwei bis fünf mal). Es geht darum, vollständig zu entspannen, um am Ende jeden Atemzuges die grösstmögliche Dehnung zu erreichen. Durch regelmässiges tägliches Üben sind schon bald kleine Veränderungen spürbar, die im Laufe der Zeit immer weiterführen. Wichtig ist das Gefühl für eine gute, angenehme Dehnung zu entwickeln. Nach jedem Atemholen wird sanftes und entspanntes Dehnen durch langsames, ruhiges Ausatmen unterstützt. Mit der Vorstellung, dass beim Ausatmen die Energie befreit wird (wie Luft, die einem Ballon entweicht), spüren Sie die Entspannung. Mit dem erneuten Einatmen spüren Sie noch deutlicher, wie sich die Spannung entlang der Meridianlinien wieder aufbaut.

Die Übungsserie dauert nur etwa zehn Minuten.

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Imaginationsatmung:

Bei jeder Einatmung füllt sich Ihr Körper
(analog eines Luftballons) vom Zentrum aus (unterhalb des Bauchnabels). In einer kurzen Atempause füllen sich die Ausstülpungen von Armen und Beinen.
Beim Ausatmen fällt «der Ballon» in sich zusammen. In der kurzen Atempause spüren Sie bewusst die erreichte Entspannung der Meridianlinien.

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Einstimmung

Legen Sie sich ca. zwei Minuten ruhig hin, Atmen Sie bewusst und spüren Sie Ihren Körper. Am Ende der Übungsserie gönnen Sie sich noch einmal eine ähnliche Phase der Ruhe, bevor Sie sich wieder Alltagsaktivitäten zuwenden.

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Konzeptions- und Gouverneursgefäss

 

Wir lehnen den Oberkörper zurück und strecken den Bauch heraus. Wir verbleiben entspannt während ein paar Atemzügen in dieser Stellung. Beim Einatmen spüren wir der Spannung nach, beim Ausatmen lassen wir die Spannung bewusst los. Mit dem Einatmen richten wir uns wieder auf. Anschliessend beugen Sie den Rumpf nach vorn, wobei Sie die Oberschenkel mit den Armen umfassen. Sie spüren die Dehnung im Rücken, Gesäss und Beinrückseite.

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Lungen- und Dickdarm-Meridian

 

Sie stehen aufrecht, die Schultern etwas mehr als schulterbreit auseinander. Die Hände sind hinter dem Rücken, die Handflächen zeigen nach hinten, die Daumen sind verhakt und die Finger abgespreizt. Beim Ausatmen vorbeugen, die gestreckten Arme beugen sich über den Kopf. Bei vorgebeugtem Rumpf atmen Sie jetzt einige Male ein und aus. Während Sie einatmen und der Körper sich mit Energie füllt, spüren Sie die Spannungslinien im Verlauf des Lungen- und Dickdarm-Meridians. Versuchen Sie nicht durch Kraftanstrengung die Arme weiter nach vorne zu bringen, dies verhindert die Wahrnehmung. Ihre geistige Vorstellung: Vom Mittelpunkt des Hara (Unterbauch) fliesst die Energie in Arme und Beine

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Milz- und Magen-Meridian

Sie knien im Fersensitz und lehnen sich danach langsam nach hinten. Setzen Sie sich wenn möglich zwischen die Fersen. Sollte dies nicht gehen, setzen Sie sich darauf. Wenn Rücken und Schultern den Boden berühren, strecken Sie die Arme über den Kopf und verschränken die Finger so, dass die Handflächen zum Kopf gerichtet sind. Ohne die Knie angestrengt zusammenzupressen, sollten Sie versuchen, sie so eng wie möglich zusammen zu halten. Es geht leichter, wenn die Füsse nicht unter dem Gesäss liegen und so Becken und Rücken dichter zum Boden kommen.

Gehen Sie schrittweise vor. Zu Beginn reicht vielleicht die Dehnstellung, wo Sie sich mit den Händen oder Ellenbogen abstützen. Bei regelmässigem Über werden Sie bald Fortschritte feststellen.

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Herz- und Dünndarm-Meridian

 

Um den Herz- und Dünndarm-Meridian zu dehnen, setzen Sie sich auf den Boden und legen die Fusssohlen aneinander. Umfassen Sie die Zehen von unten und ziehen Sie die Füssee möglichst nahe zu sich heran. Nun beugen Sie sich beim Ausatmen nach vorne. Bei grosser Beweglichkeit können Stirn, die Zehen und sowohl Ellbogen als auch Knie den Boden berühren. Doch erzwingen Sie dies nicht, denn eine angestrengte Dehnung führt nicht zur Entspannung.

Die Dehnungsbewegung wird ganz natürlich dort angehalten, wo der Körper seine Grenzen erreicht. Halten Sie da inne und atmen Sie ein, damit sich der Körper vom Hara (unterhalb Bauchnabel) bis in die Gliedmassen hinein strafft. Diese Übungen dienen dazu, die Meridiane maximal zu dehnen. Beim Einatmen sollten Sie die Dehnung dieser Meridiane in ihrer ganzen Länge spüren können.

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Nieren und Blasen-Meridian

 

Halten Sie die Knie durchgedrückt, beugen Sie sich nach vorn und strecken Sie die Arme zu den Füssen. Die Handflächen zeigen nach aussen, die Daumen zeigen nach unten. Manche Menschen schaffen es nicht, die Zehen mit den Händen zu erreichen und der Kopf bleibt weit von den Knien entfernt. Es gibt jedoch gar keinen Grund, Schmerzen einzugehen, um eine volle Dehnung zu erreichen. Natürlich ist es gut, gelenkig zu sein, aber das ist längst nicht als Garant für Gesundheit zu sehen; auch nicht dafür, dass die Energie ungehindert in den Meridianen fliessen kann. Wenn man steife Muskeln und Gelenke mit Kraft dehnt, rücken sie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Selbst wenn man dadurch die Gelenkigkeit etwas verbessern kann, verleitet es dazu die Blockierung des Qi (Energie) oder die tieferen Ursachen für Muskelanspannung oder Steifheit der Gelenke zu übersehen. Weitaus gesünder ist es, Spannungen abzubauen, indem man die Spannungslinien dehnt, langsam atmet und seine Aufmerksamkeit auf alle Veränderungen des Körpers in seiner Gesamtheit richtet.

Wenn Sie in der beschriebenen Körperhaltung ausatmen, beigen Sie sich so weit Sie können nach vorn und atmen anschliessend tief ein. Wenn sich der Körper mit Qi anzufüllen beginnt, spürt man Spannung von der Taille bis zu den Füssen und die Zehen richten sich nach hinten. Der Kopf neigt sich den Knien zu, während die Arme soweit wie möglich vorgestreckt werden. Dadurch bilden sich ausgeprägte Spannungslinien. Die Spannungslinien bauen sich von selbst ab, wenn man langsam und vollständig ausatmet.

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Herz-Kreislauf- und Dreifach-Erwämer-Meridian

 

Der Ausgangspunkt dieser Übung: Lotus-Sitz, halber Lotus-Sitz oder Schneidersitz. Je näher die Knie am Boden bleiben, desto besser, doch erzwingen Sie nichts. Es macht nichts, wenn sich die Knie vom Boden abheben. Kreuzen Sie die Arme und umfassen Sie mit den Händen das jeweils gegenüberliegende Knie. Jetzt neigen Sie sich  so weit wie möglich vor und ziehen sich mit den Armen nach unten. Statt den Rücken gerade zu halten beugen Sie ihn und lassen den Kopf locker nach unten hängen. Ziehen Sie einfach den Körper nach vorn, als wollten Sie ihn zu den Füssen ziehen.

Wenn Sie vollständig ausgeatmet haben und Sie sich so weit wie möglich herabgebeugt haben, atmen Sie tief ein. Sie spüren die Spannungslinien, die sich beim Ausatmen wieder lösen und Sie noch ein Stück weiter nach vorne neigen lässt.

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Leber und Gallenblasen-Meridian

 

Sie sitzen mit gegrätschten Beinen auf dem Boden. Sie müssen nur soweit gespreizt werden, wie sie ohne Anstrengung gestreckt bleiben. Verschränken Sie die Finger über dem Kopf und drehen Sie die Handflächen nach oben. Beugen Sie sich seitlich zum Fuss. Der Rumpf wird nicht in die Beugerichtung gedreht. Nach ca. dreimaligem Wiederholen wechseln Sie die Seite. Zweck der Übungen ist nicht, dass Sie gelenkig wie eine Ballerina werden, sondern dass Sie die Haltung herausfinden, in der Sie am besten die Widerstände beziehungsweise das leichte Ziehen in den Spannungslinien der Meridiane spüren.